| Die zerstrittene Mäusegruppe |
Mai 1999 |
Im Mai bekamen wir eine Gruppe von fünf Rennmäusen, zwei Männchen und drei Weibchen, die bereits über zwei Jahre alt waren, immer zusammensaßen und bisher keinen Nachwuchs bekommen hatten. So ließ ich die Mäusebande zusammen, da sie es so gewohnt waren und verließ mich auf die Aussage, daß kein Nachwuchs zu erwarten sei. Dies kann bei Rennmäusen durchaus üblich sein; ich habe noch eine weitere Gruppe aus fünf Tieren bestehend, unterschiedlichen Geschlechts, die ebenfalls seit Monaten keine Babys bekommen. Eines abends sah ich, daß eine Maus sehr von den anderen gejagt und bereits blutig gebissen wurde, am Tag vorher war alles noch in Ordnung gewesen. Ich nahm sie sofort heraus und untersuchte die Wunden. Das Schwänzchen hatte einige Bisse abbekommen und die Hinterfüßchen waren sehr zerbissen. Ihr Fell war recht struppig und der kleiner Körper ziemlich abgemagert. Aber ich hatte große Hoffnung, daß sie sich wieder erholen würde, wenn sie ersteinmal zur Ruhe kam und fressen konnte, ohne gejagt zu werden. Am nächsten Tag zur Mittagszeit sah ich in dem Becken der restlich verbliebenen Rennmausgruppe winzig kleine dunkle Punkte in der Einstreu liegen, die sich bei genauerer Betrachtung als kleine Babys herausstellten. Die gejagte Maus hatte Junge bekommen und wurde aus diesen Gründen von den anderen verbissen. Ein mir zuerst unverständliches Verhalten, leider nahm sie ihre Babys nicht mehr an. Am Abend des gleichen Tages gab es wieder Auseinandersetzungen, weil ein weiteres Weibchen ebenfalls Junge bekommen hatte. Ich nahm sie heraus, gab sie zu der anderen einzelnen Maus. Die beiden vertrugen sich sofort und kuschelten sich aneinander. Leider hatten auch diese Babys keine Überlebenschance. Einige Tage später versuchte ich nochmal die beiden Gruppen zusammenzuführen, aber es gab kein Erkennen und Verstehen mehr untereinander, sondern es entstand direkt eine Beißerei. So wurde aus der ehemaligen Fünfer-Gruppe nun eine Dreier- und Zweiergemeinschaft.
So dachte ich.
Doch zwei Tage später bemerkte ich wieder drei kleine Rennmausbabys in dem großen Becken, das stärkste Weibchen in der Gruppe hatte seine Mitkonkurrentinnen vertreiben wollen, damit es seine eigene Nachzucht alleine großziehen kann. Nur der stärkste in der Natur setzt sich durch, so das Gesetz der Evolution. Die drei Mäusebabys entwickelten sich prächtig, die beiden Papas haben sich sehr liebevoll bei der Nestpflege verhalten, und es ist eine friedliche Rennmausfamilie geworden.
Warum bekamen sie nun plötzlich bei uns im Tierheim Babys, was Jahre zuvor nicht geschah?
Als die Tiere zu uns kamen, hatten sie kein Trinkwasser zur Verfügung, wie es leider häufig in der Rennmaushaltung praktiziert wird. Das von mir eingehängte Trinkröhrchen war bereits am nächsten Tag leer. Ob die nun eingesetzte Versorgung mit Flüssigkeit zu der Fruchtbarkeit der Weibchen führte, bleibt eine Vermutung.
Übrigens, die verletzte Maus hat sich wieder gut erholt, ist schön kräftig geworden und die Verletzungen sind abgeheilt. Sie lebt nun mit ihrer Rennmaus-Freundin zusammen in einem Einzelbecken.
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Die Nahrung der Rennmäuse |
Zwar gibt es spezielles Rennmausfutter, doch findet man es nicht in jedem Zooladen, zudem ist es in der Regel recht teuer. Diese kleinen liebenswerten Nager fressen genauso gern gewöhnliches Hamsterfutter mit ein wenig Müsli gemischt. Außerdem sind Haferflocken, Cornflakes und Kolbenhirse ebenfalls sehr beliebt. Alle unsere Rennmäuse im Little Animal Home sind ganz wild auf die eiweißreichen Joghurtdrops, von denen man ruhig täglich einen pro Tier geben darf und auf die unsere Tiere täglich schon gierig warten. Für die Versorgung mit Vitaminen sollten Rennmäuse regelmäßig frisches Obst, Gemüse angeboten bekommen. Anstelle von Salat ist frisch geschnittenes Gras und Kräuter sehr beliebt. Zur ausreichend Abnutzung der Zähne benötigen Rennmäuse ständig etwas zum Knabbern, dazu eignet sich hartes Körnerbrot, Zwieback und natürlich Äste und Zweige von Obstbäumen. Heu und Stroh dienen nicht nur als Nistmaterial, sondern werden gerne beknabbert und gefressen.
Frisches Wasser sollte den Rennmäusen immer zur Verfügung stehen. Es gibt allerdings "Fachliteratur", die behauptet, Rennmäuse brauchen kein Wasser. Dies ist absolut nicht tiergerecht!!! (Siehe die Geschichte von unserer "zerstrittenen Mäusegruppe). Zur Wasserversorgung sind die handelsüblichen Kleintiertränken zu empfehlen, da ein offener Wassernapf schnell mit Streu zugeschüttet wird. Rennmäuse trinken zwar nicht viel, es stimmt aber nicht, daß sie völlig ohne Flüssigkeit auskommen. Das Obst und Gemüse reicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarf nicht aus, zudem trocknet es in der Einstreu schnell aus.
Die Futtermischung für die Rennmäuse im Little Animal Home:
1/3 Hamsterfutter - 1/3 Meerschweinchenfutter
1/3 Sonnenblumenkerne + Früchtemüsli + Kräutermischung, und natürlich tägl. wechselndes Frischfutter: Gurke, Apfel, Möhre, Tomate, Salat, frisches Gras, frische Getreideähren vom Feld, Zweige und Blätter von Obstbäumen, Birke und Haselnuß
Die artgerechte Unterkunft
Der Käfig sollte natürlich so groß wie möglich sein. Wie der Name schon sagt, brauchen die bewegungs- und buddelfreudigen Rennmäuse viel Platz zum Leben. Ihre Haupt- und Lieblingsbeschäftigung ist stundenlanges Wühlen in hoher lockerer Einstreu.
Gitterkäfig eigenen sich zur Rennmaushaltung nur bedingt, da die Streu in großen Mengen bei den Wühlaktionen durch die Stäbe herausgeschleudert wird und das Umfeld erheblich verschmutzt. Und wer hat schon Lust jeden Tag zu Kehren oder zu Saugen? Zumindest sollte dann die Bodenwanne einen hohen Rand von mindestens 15 - 20 cm haben. Der Vorteil eines Gitterkäfigs liegt darin, daß man verschieden Etagen basteln kann und somit die Grundfläche vergrößern, kann. Der Käfig für ein Rennmauspaar sollte eine Grundfläche 80 x 40 cm nicht unterschreiten.
Für eine gute Unterbringung von Rennmäusen eignen sich besonders gut Terrarien, bzw. Aquarien. Hier kann man den kleinen Wühlern eine hohe Schicht aus Einstreu und Heu anbieten, ohne daß etwas herausgeschleudert wird. Eine Abdeckung aus engmaschigem Gitter ist notwendig, da die Tiere sonst aus dem Käfig hüpfen oder klettern können oder andere Haustiere (besonders Katzen) zur Gefahr werden können.
Die Einrichtung
Rennmäuse wühlen und nagen nun einmal für ihr Leben gern, Näpfe und Spielzeug dürfen deshalb nicht aus Plastik sein, denn diese sind im Nu zernagt. Futterschüsseln sind nicht zu empfehlen, da sie schnell mit der Einstreu überschüttet werden, besser man gibt das Futter direkt auf die Streu. So haben die Tiere bei der Suche nach ihrem Futter zusätzlich Abwechslung und Arbeit. Vorausgesetzt, die Einstreu wird regelmäßig erneuert und ist stets sauber. Für die Wasserversorgung ist eine Flaschentränke, wie bereits erwähnt, die beste Lösung, bei Terrarien lassen sich die Flaschen an ihrer Öse (nur die Trinkflaschen von der Firma FERPLAST haben diese Ösen) an einem Draht am Abdeckgitter aufhängen.
Rennmäuse bauen sich zum Schlafen ein Nest aus fein säuberlich zernagtem Heu und/oder Küchenpapier. Aber auch entsprechende Holzhäuschen sind sehr beliebt. Allerdings sollte man sich darüber ihm klaren sein, daß die Tiere das Holz gern annagen werden und im ungünstigsten Fall von den Häuschen bald nichts mehr übrig ist.

Zur Fellpflege benötigen die Tiere ein Sandbad, dazu verwendet man eine runde Steingutfutterschale in mittlerer Größe oder eine flache Schale. Der Sand sollte sehr feinkörnig sein, etwa Quarz-, Vogel- oder Chinchillasand.
Rennmäuse lieben es, sich in Röhren und Gängen zu verstecken. Dazu gibt man ihnen am besten Papprollen vom Küchenpapier, die oft in einer Nacht zu winzigen kleinen Schnipseln verarbeitet werden. Hierbei ist aber zu bedenken, daß sicherlich giftige und chemische Stoffe in diesen Papprollen enthalten sind. Welche schädigenden Ausmaße sie haben können, ist noch nicht untersucht worden. Unsere Tiere im Little Animal Home bekommen diese Art von „Spielzeug“ nicht mehr, wir geben ihnen dicke, durchbohrte Birkenholzäste. Die sind natürlicher und sicher nicht schädlich.Zur weiteren Einrichtung eignen sich Äste, natürlich von ungiftigen Gehölzen (Obstbäume, Birke, Buche, Haselnuß). Die Rinde ist eine gesunde, sehr vitaminreiche Nahrungsergänzung und die Beschäftigung gut gegen Langeweile. Doch sollten die Äste, bevor sie den Rennmäusen gegeben werden, in kochend heißem Wasser gewaschen werden, damit Ungeziefer und andere Verunreinigungen beseitigt sind. Und bitte, niemals Äste von unbekannten Gehölzen nehmen, da man die Tiere mit unbekannten Pflanzen schnell vergiften kann.
Einige Rennmausbesitzer sind strikt gegen eine Laufrad aus Gründen der Verletzungsgefahr. Nicht alle Rennies nehmen das Laufrad an, doch die, welche es einmal kennen und mögen haben, möchten es nicht mehr missen. Im Little Animal Home haben fast alle Rennmausbecken ein Laufrad zur Verfügung, so können sie ihren enormen Bewegungsdrang besser ausleben. Übrigens, Verletzung gab es bei uns durch ein Laufrädchen noch nie, egal ob bei Mäusen, Degus, Hamstern oder Ratten. Jedoch nicht alle Tiere sind von dieser Einrichtung begeistert und nutzen sie nicht.
Rennmäuse sind liebenswerte Haustiere, die bei entsprechender Zuwendung sehr zahm werden. Ihr Pflegeaufwand ist auch für Kinder unter Anleitung der Eltern gut zu schaffen. Ihre Bedürfnisse müssen zur Gesunderhaltung unbedingt erfüllt werden!
Welches Zubehör ist für die Rennmaus sinnvoll?
Das Zubehör für eine artgerechte Rennmaushaltung besteht aus: einem großem, geeigneten Käfig oder ein Aquarium, Mindestmaß 80 x 35 x 40 cm und unbedingt ein Abdeckgitter, ein Schlafhäuschen aus Holz (keine Plastikartikel verwenden, da sie angeknabbert werden), ein Laufrädchen, Kleintierstreu, Heu und Stroh und Äste zum Knabbern
Sehr empfehlenswert ist es, bereits vor der Anschaffung einen Ratgeber aus dem GU-, dem Kosmos- oder dem Falken Verlag, oder ein ähnliches Buch, zu lesen. Diese Bücher geben weitere Tips zur Anschaffung und Haltung dieser liebenswerten Tiere und sind zudem hilfreiche Nachschlagewerke wenn das Tier einmal krank wird.
Ein umfangreiches Fachwissen über das Verhalten der Rennmäuse und ihrer Bedürfnisse ist Voraussetzung für eine artgerechte und gesunde Rennmaushaltung.
Was kostet die Rennmaus im Monat?
Für die reinen Futterkosten sollte man pro Tier ca. 5,- bis 10,-- DM einkalkulieren, dazu kommt Frischfutter in Höhe von ca. 5,-- DM. Natürlich dürfen die Leckereien nicht fehlen, hier rechnet man ca. 7,-- DM. Für Heu, Stroh und Streu sind je nach Größe des Becken 5,-- DM aufzubringen.
Eine nicht zu bestimmende Summe sind eventuell anfallende Tierarztkosten, doch je artgerechter, sauber und gesünder die Haltung, desto seltener ist der Gang zum Tierarzt nötig. Die Rennmäuse sind bei dieser verantwortungsvollen Haltung selten Krank. Dennoch muß man immer damit rechnen, daß ein Tier auch einmal krank werden kann und dann zusätzliche Kosten verursacht.
Sind Rennmäuse für Kinder geeignet?
Im Prinzip ab dem 8 Lebensjahr schon, aber die Kinder sollten die Pflege ihrer Lieblinge nicht ganz allein übernehmen, die Eltern müssen stets ein Auge darauf haben, daß die Tiere immer gut versorgt sind. Rechnen Sie damit, daß das Interesse des Kindes irgendwann nachlassen wird und die Versorgung schließlich ganz an Ihnen hängenbleiben kann. Das Durchschnittsalter für Rennmäuse liegt bei ca. 3 Jahren, eine lange Zeit für ein Kind!
Der Freilauf
Der Freilauf im Zimmer ist für die flinken Nagetiere nicht ganz ungefährlich. Sie können leicht entwischen, Holzmöbel anknabbern oder sogar am Stromkabel tödliche Unfälle erleiden. Wenn man seiner Rennmaus Freilauf ermöglichen möchte, dann möglichst in einem kleinen, übersichtlichen Zimmer bei geschlossener Tür. Besonders bei Rennies, die nicht sehr zahm sind und sich schlecht wieder aufnehmen lassen, sollte auf Freilauf verzichtet werden. Bieten Sie Ihren Tieren dafür lieber einen großzügigen, abwechslungsreich eingerichteten Käfig an.
Was man bei einem Neukauf unbedingt beachten sollte:
Ein gewissenhafter Züchter wird nichts dagegen haben seine Tiere und Zuchtanlage einem Kunden gerne zu zeigen.
Eine genaue Altersangabe der Tiere sollte jeder gute Züchter geben können. Rennmäuse ab der 7. - 8. Woche sind bei der Abgabe nicht mehr so anfällig, das Immunsystem hat sich dann bereits zum größten Teil aufgebaut. Machen die Becken und Käfige einen schmuddeligen, ungepflegten Eindruck und ebenso die Tiere, sind dies keine guten Voraussetzungen für ein verantwortungsvolle Zucht. Hier sollte man seine neuen Rennmäuse lieber nicht erwerben. So erspart man sich Kummer, Sorgen und Ärger.