Feivel, der Mauswanderer

2. Halbjahr 2003

Der Rosenmontag ist für mich ein willkommener Feiertag, um mich den vielen Arbeiten in unserem kleinen Tierheim zu widmen. An diesem Tag wollte ich alle 15 Mäusebecken in unserem Tierhäuschen sauber machen. Als ich eine Gruppe Hausmausmännchen aus ihrem Becken in eine Transportbox umsetzen wollte, passierte es, dass eines der Männchen mir entwischte und geradewegs aus der angelehnten Tür ins Freie lief. Ich bin sofort hinterher und habe eine Stunde lang versucht, mittels Käscher und anderer diverser Mausfanggeräte den kleinen Ausreißer wieder einzufangen. Leider gelang es mir nicht, er war einfach zu schnell und dann rannte er blitzschnell los, so dass ich seine Spur verlor. Sehr betrübt begab ich mich wieder an die Arbeit, die Gedanken stets bei dem kleinen Mausemännchen. Ich war überzeugt, dass er bei diesen Temperaturen, es war Februar, keine Überlebenschance hatte, dass er keine Nahrung finden würde oder einer unserer Katzen zum Opfer fiel. Jeden Tag schlich ich um das Tierhaus in der Hoffnung, ihn noch mal zu sehen, aber es blieb erfolglos.

<< Lukas unser lieber kleiner der Mäuseretter

An einem Abend 5 Wochen später, kam unser Kater Lucas gegen 23.00 Uhr ins Wohnzimmer und hatte einen "komischen, bunten Gegenstand" im Maul. Er lief die Treppe hoch ins Schlafzimmer und sprang dort aufs Bett. Stephan war schon eine Stunde zuvor Schlafen gegangen und war sehr überrascht. Ich ging hinterher und sah, dass Lucas eine bunte Farbmaus unversehrt mitgebracht hatte und auf dem Bett laufen ließ. Es war mein Mäusemännchen, das vor 5 Wochen entlaufen war!!! Ich konnte ihn nun leicht einfangen und in einen Käfig setzen. Er war völlig unverletzt und putzmunter, nicht abgemagert oder krank. Ich konnte es nicht glauben, dass unser Lucas den kleinen Mäusemann zurück gebracht hatte. Wieso er ausgerechnet diese Maus ins Haus brachte - war es Zufall oder hatte er den Unterschied zu den anderen Mäusen erkannt? Wieso hatte er ihn nicht gefressen, noch nicht einmal verletzt? Wusste er, dass es keine übliche Wildmaus war, sondern ein "Familienmitglied"? Sicher darf man dieses Handeln des Katers nicht vermenschlichen, eine ungewöhnliche, unerklärliche Geschichte ist es schon, nicht wahr liebe Tierfreunde?

Ich habe Feivel (links im Bild) zu seinen Brüderchen gesetzt, und sie haben ihn direkt wieder akzeptiert, obwohl er fünf Wochen nicht bei ihnen war.

 

Wieder ein Mäuse-Notfall

1. Halbjahr 2003

Bereits genau ein Jahr zuvor hatten wir aus dem Tierheim Kürten einen Mäusenotfall aufgenommen, der uns viele kleine Mäusebabys bescherte, da einige schwangere Mamas dabei waren. Nun kam wieder ein Anruf aus Kürten, ob wir helfen könnten.

In diesen drei Käfigen holte ich die Mäuse >>

So fuhr ich Sonntagnachmittags hin und holte drei Käfige mit 13 Mäuschen zu uns: 1 älteres einzelnes Böckchen und zwei Muttis mit 10 Babys, alles Albinos. Die beiden Muttis saßen getrennt und wir setzten die beiden Gruppen zusammen, denn Mäuse sind Rudeltiere, die sich erst in großen Gruppen richtig wohl fühlen. Nachdem sie im Alter von 5 Wochen nach Geschlecht getrennt wurden, hatten wir das Glück, die Muttis und ihre vier Töchter in liebevolle Hände vermitteln zu können. Das einzelne Böckchen und sieben kleine Albino-Jungs sind bei uns geblieben und bewohnen einen großen mehrstöckigen Käfig mit vielen Spiel- und Klettermöglichkeiten.

 

Hausmaus –Schwemme

Juli 2002

Zwei Jahre lang gab es keine Hausmäuse als Abgabetiere im Little Animal Home, aber im Sommer 2002 konnten wir uns vor Mäuseanfragen nicht mehr retten. Darunter gab es auch einige schwangere Muttis, so dass wir in kürzester Zeit über 60 Tiere hatten.

Die Hausmaus - Invasion

In diesem Jahr hatten wir wieder viele Abgabehausmäuse, ein Großteil davon kam bereits schwanger bei uns an, da die Tiere nicht rechtzeitig geschlechtlich getrennt wurden. 10 Mäuse brachte eine junge Frau, bei der die Männchen frei in der Wohnung umher liefen und es dann hin und wieder mal zu einem "Unfall" kam. Bei der Aufnahme ihrer Mäusemädchen in unserem Tierheim versprach sie einen Mitgliedsantrag auszufüllen; dies tat sie zwar auch, hat aber nie einen Beitrag überwiesen und sich später auch nicht mehr gemeldet. Solch "leere" Versprechungen haben wir im letzten Jahr leider sehr, sehr oft erfahren, so dass ich auf diese Aussagen gar nichts mehr gebe. Umso mehr freue ich mich dann, wenn doch mal ein "ehrlicher" Tierfreund dabei ist, der seine Fürsorge über sein abgegebenes Tier beibehält und eine Patenschaft übernimmt.

Die kleinen 3 Wochen alten Babys lieben Vogelfutterknabberstangen über alles

Einige Wochen später bekamen wir vom (www.maeuseasyl.de) eine Meldung über einen Notfall in Düsseldorf mit vielen Mäuseweibchen. Auch hier sagte ich meine Hilfe zu und übernahm eine Mäusemutti mit Töchtern und die waren auch wieder trächtig!!! Dann kam der größte Mäuse-Notfall, 6 Böckchen, 4 Muttis mit 18 Babys und auch hier wieder alle Weibchen schwanger, da die Tiere nicht rechtzeitig getrennt worden waren !!!

 

Unsere bildhübsche schwangere Mäusemama, sie ist sehr lieb und zahm

So kamen wir innerhalb weniger Wochen zu einer regelrechten Hausmausinvasion und hatten insgesamt 64 Mäuse !

Da die Mäusemännchen trotz intensiver Reinigung einen sehr, sehr starken Eigengeruch haben, wurden sie in unserem Tierhäuschen untergebracht. Die Mäusemädchen leben in 3 großen Gruppen in unserem Tierzimmer. Wohl durch die ständige Innzucht sind einige Mäusebabys schon im jungen Alter verstorben. Wir füttern unsere Hausmäuschen mit einem sehr artgerecht zusammengestellten Mäusefutter der Tierfutterfirma: www.futterkonzept.de. Unsere Hausmäuse haben einen gesunden Appetit und so teilen wir tägl. ca. 350 g dieser speziellen Futtermischung an unsere Tiere. Zusätzlich gibt es noch getrocknetes Katzenfutter, Müsli und Frischkost.

 

Geschichte von Paul und Paulchen

Januar 2002

Eines Tages erhielt ich von einer Tierfreundin einen Anruf, ihr Sohn hätte eine kleine Farbmaus gefunden. Als er in der Fußgängerzeile von Gelsenkirchen spazieren ging, sah er an einer Hauswand eine kleine bunte Farbmaus sitzen. Das kam ihm schon sehr ungewöhnlich vor und als er sie vorsichtig in die Hände nehmen wollte, lief sie gar nicht weg. Er steckte sie in seine Jackentasche und nahm die Maus mit nach Hause. Dort rief er seine Mutter an und erzählte ihr diese Geschichte. Da er sie nicht behalten konnte, brachte er sie mit dem Zug am nächsten Tag nach Düsseldorf zu seiner Mutter. Sie fragte dann bei uns telefonisch an, ob wir die kleine Maus bei uns aufnehmen könnten.

Links ist Paul in der Spielröhre, rechts sitzt Paulchen im Futter

So kam Paul aus Gelsenkirchen über Düsseldorf zu uns nach Rösrath. Eine Woche später bekam Paul einen kleinen Freund dazu, denn er sollte den Rest seines Lebens nicht alleine verbringen. Die Vergesellschaftung verlief ohne Probleme, und nun leben Paul und Paulchen in einem 70 x 40 cm großen mäusegerechten Käfig. Sie bekommen immer wieder neues Spielzeug zum beknabbern und Gegenstände, die ihren Alltag abwechslungsreich gestalten.

 

 

 

Das Experiment

 

In allen Fachbüchern über Hausmaushaltung ist zu lesen, daß sich rudelfremde Tiere nicht miteinander vertragen und sogar bis zum Tode hin bekämpfen. Grundsätzlich findet man dieses Verhalten bei vielen Nagetierarten wie Ratten, Hamster oder Rennmäusen. Eine Vergesellschaftung ist somit recht schwierig und in den meisten Fällen aussichtslos.

Da ich schon mehrfach einzelne Rennmäuse vergesellschaftet habe, wollte ich auch bei meinen Hausmäusen diesen Versuch wagen. Eine Gruppe mit 9 Weibchen bewohnte ein 80 x 40 x 40 cm großes Becken, ein Luxusappartement. Dann bekamen wir 16 Mäuse, davon vier Damen die bereits wieder Nachwuchs erwarteten, da sie nicht rechtzeitig von den Männchen getrennt worden waren. Ich dachte, daß diese beiden Mädelgruppen in dem großen Becken zusammen viel Platz hätten, wenn sie sich gut vertragen würden.

Ich reinigte das Glasbecken sehr gründlich, ebenfalls alle Einrichtungsgegenstände. Dann verteilte ich etwas Streu auf dem Boden und sprüht die ältere Mäuse und die Einstreu mit einem Parfüm ein, so daß ihr Eigengeruch überdeckt wurde. Nun nahm ich die erste Maus aus der anderen Gruppe, besprühte sie ebenfalls mit dem Parfum und setzte sie in das Becken. Ich war natürlich auf eine Kampf insofern vorbereitet, daß ich Lederhandschuhe und einen kleinen Becher bereit hielt, die Maus wieder herauszufangen, bevor sie ernsthafte Verletzungen erlitt.

Doch nachdem sich alle miteinander "bekannt gemacht" hatten, liefen sie friedlich zusammen im Becken umher. Ich streute etwas Futter hinzu und auch jetzt gab es keine Streitigkeiten. Das ganze beobachtete ich ca. ¼ Stunde. Dann erschien mir der Zeitpunkt günstig, eine weitere Maus hinzuzusetzen.

Auch diesmal verlief alles ganz unproblematisch, es wurde sich intensiv gegenseitig beschnuppert, aber alles sehr friedlich und ohne Aggressionen. Nach und nach setzte ich alle Mäusedamen in das Becken und zum Schluß ihre kleinen Babys. Um die Kleinen machte ich mir besonders große Sorgen. Doch auch da gab es keine Schwierigkeiten. Ich stellte nun alle Einrichtungsgegenstände wieder hinzu, füllte Futter in den Napf und hängte das Trinkfläschchen an. Nach ca. vier Stunden hatten die Mäuse unter einer halbrunden Rindenschale aus Heu und Streu ein Nest gebaut, in dem alle zusammen friedlich aneinander gekuschelt lagen. Die Fremdmäuse übernahmen wie ganz selbstverständlich die "Babypflege" mit, putzen die Kleinen und trugen sie ins Nest zurück, wenn sie sich zu weit entfernten.

Dieses bunt gemischte Mäusedamenrudel lebt nun seit einigen Wochen friedlich zusammen, Probleme sind nun nicht mehr zu erwarten, sie sind zu einem feste Rudel zusammengewachsen.
Warum diese Zusammenführung so komplikationslos geklappt hat, kann ich nicht erklären, ist aber sicher kein typisches Verhalten, also nicht unbedingt zur Nachahmung anzuraten.

In dem Becken wuseln nun 22 kleine Hausmäuschen herum, es macht richtig Freude ihrem Treiben, Arbeiten, Fressen und Spielen zuzusehen. Sie lieben besonders ihre Laufrädchen, manchmal sind vier Stück zusammen in einem Rädchen und es klappt hervorragend. Doch will ich den kommenden Tagen noch zwei zusätzliche Rädchen besorgen, da die Babys nun immer größer werden und dann ebenfalls ihr tägliches Trimm-dich-Programm absolvieren wollen. Und mehr wie vier Mäuse in einem Rad geht nun wirklich nicht!

Höhepunkte in so einem kleinen Mäuseleben sind Fütterungen mit Blattsalat, im Sommer gibt es dann frische Gräser, Klee und Löwenzahn. Und die sonntägliche Knabberstange ist ebenfalls eine willkommen Abwechslung, ebenso wie die Zweige von unseren Obstbäumen zum beknabbern.

Manchmal meine ich es mit der Futtermenge allzu gut, was man dann an den dicken, runden Bäuchlein eindeutig erkennen kann. Dann heißt es wieder ein paar Tage "Diäten". Sind die Mäuse zu dick gefüttert, belastet man damit ihre Gesundheit. (H.G.)