Die neue Chinchillavoliere

Juli 2002

Dank der Einnahmen aus unserem Kalender 2002 Verkauf hatten wir die finanziellen Mittel für unsere beiden Chinchillas eine wunderschöne große Voliere anzuschaffen. Sie ist vollständig aus Edelstahl gefertigt und mein Mann hat bei der Herstellung viele Stunden Arbeit investiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Firma Werheit in Overath-Immekeppel, die uns das Material und die Werkstatt zu einem sehr günstigen Preis besorgt und zur Verfügung gestellt hat.

An unserem ersten Urlaubstag im Juni haben wir die Voliere mit Holzsitzecken und einer großen Kork-Schlafhöhle eingerichtet, anschließend sind die beiden aus ihrem Behelfskäfig in das „Luxusappartement“ umgezogen. Die Maße der Voliere betragen sind Höhe 1,70 m, Tief 0,70 m und Breit 1,10 m.

Die neue Voliere bietet viel Platz zum Springen und Laufen, Lieblingsplatz der Beiden ist die große Korkhöhle.

Leider macht uns der Gesundheitszustand von unserem geliebten kleinen Gizmo ganz große Sorgen, er hat eine schwere Zahnfehlstellung, die seit dem 18. Februar diesen Jahres bereits dreimal unter Narkose korrigiert werden mussten. Er ist nicht mehr in der Lage, harte Nahrungsmittel zu zernagen, da seine Backenzähne nicht nach oben, sondern anormal zur Seite hinwachsen.

Die Korkhöhle ist ein beliebter Platz

Seine Chinchillapellets und unsere Speziellakräutermischung muss ich in der Kaffeemühle zu einem Pulver mahlen, dass ich anschließend mit Wasser zu einem Futterbrei anrühre. Diesen Brei erwartet Gizmo jeden Abend schon ganz ungeduldig auf einem kleinen Tellerchen und frisst alles schön auf. Die nächste Zahnkorrektur steht allerdings bald wieder an und es ist die Frage, wie oft man ihm diese Prozedur noch zumuten kann, denn die Narkose und der anschließende Heilungsprozess sind für das Tier recht belastend.

Unsere temperamentvolle Crazy liebt ihr Laufrad über alles

Nun haben wir für die beiden ein wunderschönes Zuhause geschaffen, doch die Sorge um die Gesundheit von Gizmo trübt mal wieder sehr unsere Freude.

 

 

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

Sag niemals NIE!

Januar 2002

Im August 2001 rief uns ein junger Türke an, der ein Chinchilla und zwei Meerschweinchenböckchen abzugeben hatte. Seine Tochter sei mit der Mutter in die Türkei gefahren und die Gelegenheit günstig, die Tiere während ihrer Abwesenheit weg-zugeben. Die beiden Meerschweinchen sollten bei uns ein neues Zuhause finden, aber das Chinchillaböckchen wollten wir an eine andere Tierschutzorganisation weitergeben, da wir in unserem Tierheim keine Chinchillas beherbergen.

Der kleine Gizmo war ca. 1 Jahr alt und sollte vor einer Weitervermittlung kastriert werden, um Nachwuchs zu vermeiden. Während er auf der Pflegestelle auf ein neues Zuhause wartete, besuchte ich den liebenswerten kleinen Kerl öfters, da ich von seiner freundlichen und niedlichen Art einfach fasziniert war.

Wir hatten im Juli zehn Chinchillas für drei Wochen zur Pflege und es ist mir während dieser Zeit nicht im geringsten der Gedanke kommen, mich intensiver für diese Tiere zu interessieren. Wir wollten uns ganz auf Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten und Vögel beschränken, um speziell diesen Tierarten möglichst optimale Bedingungen bei uns bieten zu können.

Doch mit Gizmo war alles ganz anders; als ich ihn zum erstenmal in den Händen hielt, war es Liebe auf den ersten Blick und die Abgabe an die andere Pflegestelle fiel mir sehr, sehr schwer. So kam mir der Gedanke Gizmo, bis zur endgültigen Vermittlung zu uns zurück zu holen. Doch erst musste ein geeigneter Käfig gebaut werden, denn Geld für eine richtige Chinchilla-Voliere war zu diesem Zeitpunkt nicht vorhanden. Ich ging in unser Käfiglager und sah mich um, was für diesen Zweck in Frage kommen könnte. Ich fand zwei große Kaninchenkäfige die mit einigen Holzplatten und dem unglaublichen Talent meines Mannes, aus einem Nichts etwas Brauchbares zu gestalten, zu einem zweckmäßigem Chinchillakäfig umgebaut wurden.

Am nächsten Tag holte ich Gizmo zu uns und saß nachts bis 1.00 Uhr bei ihm, so beeindruckt war ich von diesem witzigen Burschen. Gizmo lernt sehr schnell, wie er besonders niedlich betteln musste, um ein Leckerchen zu bekommen: er stellte sich auf die Hinterbeinchen und hüpfte mehrfach in die Höhe. Besonders gern mag er getrocknete Tomatenscheiben, Haferecken und Rosinen.

Betteln kann Gizmo ganz besonders gut!

Natürlich bekam Gizmo jeden Abend Freilauf und turnte im Flur umher, den wir extra mit einer Schiebetür zur Treppe absicherten. Oft ging er von alleine in den Käfig, so dass es kein Problem gab, ihn einzufangen. Doch eines abends konnte ich Gizmo nicht finden, er war den ganzen Abend im Flur und Bad unterwegs und sollte nun wieder in den Käfig. Auch als ich nach ihm rief und mit der Leckertüte raschelte, kam kein Gizmo. Ich war völlig ratlos und bat meinen Mann, mir bei der Suche zu helfen. Nach einer Stunde gaben wir auf, Gizmo war im ganzen Haus nirgends zu finden, er musste irgendwie herausgekommen sein. Ich ging nochmals zu seinem Käfig und als ich Flur stand, sah ich, dass unser Dachfenster einen winzigen Spalt offen war und da wusste ich, was passiert war.. ich hätte niemals vermutet, dass er durch diese schmale, gerade 4 cm breite Öffnung, hindurch passen würde. Ich leuchtete mit einer Taschenlampe das Dach ab und sah, wie er auf dem Giebel hin und her rannte, er hatte offensichtlich großen Spaß an dieser plötzlichen Freiheit, ich allerdings weniger. Ich rief ihn und er reagierte zwar auf mein Rufen, kam aber keineswegs zurück zum Dachfenster. Nach einer Stunde (es war bereits 1.30 Uhr) gab ich alle Versuche auf, ich hoffte sehr dass er in der Nacht alleine ins Haus zurück kam. Ich ließ beide Dachfenster weit auf und das Licht an.

Um 6.00 Uhr stand ich auf und lief sofort zu Gizmos Käfig doch er war leer, auch auf dem Dach war von Gizmo nichts mehr zu sehen. Ich ging in den Garten und suchte überall nach ihm, außer ein paar Fellbüschel, die in einem Strauch hingen und auf der Wiese lagen, fand ich nichts. Ich war so verzweifelt und voller Schuldgefühle, dass Gizmo etwas Schlimmes passiert sein könnte, und wusste nicht, was ich noch machen konnte.

Als mein Mann zur Arbeit ging und die Haustür öffnete, saß unser lieber kleiner Gizmo auf der Fußmatte und sah meinen Mann kurz an, lief vor Schreck weg und blieb auf dem Parkplatz sitzen. Ich war so glücklich, dass Gizmo lebte und bin ganz ruhig und vorsichtig auf allen Vieren zu ihm hingekrochen. Mittlerweile kam Leo - unser roter Kater - hinzu und setzte sich neben Gizmo. Als ich bis auf einen Meter an ihn herangekommen war, ohne dass er weglief, packte ich blitzschnell zu und hatte den kleinen Kerl in meinen Händen.

Es war unglaublich, ich hatte unseren kleinen Ausreißer unbeschadet wieder! Zurück in seinem Käfig fing er sofort an zu betteln und hatte großen Hunger, ein Zeichen, dass es ihm gut ging, er hatte seinen Ausflug gut überstanden.
Vier Wochen später kam die kleine Crazy zu uns, ein sehr wildes, unruhiges Mädchen, sie war sehr dünn und das Fell struppig und ungepflegt. Gizmo war fasziniert von diesem kleinen Wildfang und liebte sie vom ersten Moment an. Sie hatte anfangs noch Angst vor ihm aber das verging schnell und einige Stunden später lagen sie dicht aneinander gekuschelt im Häuschen. Crazy hat sich schnell erholt und ein wunderschönes Fell bekommen, sie ist nun genauso schön und kräftig wie unser Gizmo geworden.

Ein Leben ohne diese beiden drolligen liebenswerten Geschöpfe können wir uns nun gar nicht mehr vorstellen, obwohl wir vor einem halben Jahr noch gesagt haben: wir nehmen nie Chinchillas auf.

Darum: Sag niemals nie!