Eine kritische Ansicht zur Haltung und Zucht von Käfigtieren

(H.G.) Zuerst einmal möchte ich meine Meinung generell zur Haltung von Käfigtieren äußern. Den Tieren tut man bestimmt keinen Gefallen, wenn sie auf engsten Raum eingepfercht ihr Leben in Käfigen verbringen müssen. Einzig alleine der Mensch ist es, der hier seinen Nutzen und Vorteil hat. Egal ob Hamster, Rennmaus, Wellensittich, Kaninchen, Ratte oder Meerschwein, ihre Lebensqualität in einem Käfig ist absolut als "miserable" zu bezeichnen. Es ähnelt im Vergleich zu ihrem natürlichen Lebensumfeld in der freien Natur mehr einem Gefängnisleben, mit hin und wieder gewährtem Freilauf.

Ein Käfigleben ist ein Leben ohne Anreize aus der Natur, und bedeutete oft ein Dasein mit Verzicht auf jegliches Sonnenlicht und frischer Luft, womöglich noch ohne die Nähe eines Artgenossen. Und welcher Mensch hat schon täglicher mehrfach 1- 2 Stunden Zeit, sich mit seinem Käfiginsassen intensiv und sinnvoll zu beschäftigen? Und vor allem, will und kann der Tierbesitzer diese Beschäftigung auch wirklich regelmäßig ausführen?

Kinder können dieser ständigen Verpflichtung nicht nachkommen, sie verlieren leider schnell die Lust an der Pflicht, "ihr" Tier täglich verantwortungsbewusst zu versorgen. Und hier liegt das Hauptproblem der Kleintiere, die im Tierheim abgegeben werden: die schnell verlorene "Neulust" der Kinder an einem Tier. Aber diese Neulust ist es, die verantwortungslose Züchter (wobei hier nur von "materiellem Vermehren" gesprochen werden kann) immer wieder für Nachschub sorgen lässt. Der Absatzmarkt floriert, jeder will natürlich nur ein junges, "ungebrauchtes", intaktes und hübsches Tier. Wer nimmt schon einen Hamster, dessen Alter man nicht weiß und der zudem noch bissig ist? Da holt man doch lieber für ein paar Mark im Zooladen ein junges, unproblematisches Tiere. 
Solange diese Einstellung bei den zukünftigen Tierbesitzern herrscht und die Tiere soooo preiswert! angeboten werden, wird es weiter Züchter/Vermehrer geben, die eine schnell und leicht verdiente Mark in der Kleintierbranche wittern.

Doch es gibt glücklicher Weise auch Tierbesitzer, die ihr Tier lieben und bis zum Tod liebevoll versorgen und pflegen. Und für diese Tierbesitzer sollte es Hobbyzüchter geben, die eine sorgfältig ausgewählte Zucht betreiben. Und die gibt es: nämlich Privatleute die aus Freude heraus Tiere züchten und dabei auf Elterntiere zurückgreifen, die gesund sind und einen umgänglichen Charakter haben. Dort werden die Babys bei gutem Futter und sauberen Haltungsbedingungen groß. Diese Tiere werden ihrem zukünftigem Besitzer mehr Freude bereiten, als jene Tier vom Großmarkt in den Zoohandlungen, die schon mit schlechten Erlebnissen oder Erfahrungen vorgeprägt oder eventuell krank sind. Bei solch verantwortungsvollen Hobbyzüchtern steht nicht der Verdienst im Mittelpunkt, denn der ist bei Kleintieren im Vergleich zum Zuchtaufwand sehr gering, sondern die Freude am Tier und diese an andere tierliebe Menschen weiterzugeben.

Und was wäre, wenn es keine Züchter/Vermehrer mehr gäbe? Wäre das letztendlich die Idealform für die Klein-Tierwelt?
In Bezug auf das triste Käfigleben ist diese Frage eindeutig mit JA im Sinne der Tiere zu beantworten, denn kein Tier lebt gerne in einem Käfig eingesperrt!

Doch wie sollen dann unsere Kinder lernen, Liebe, Verantwortung und Zuneigung für Tiere zu entwickeln, wenn sie nicht mit ihnen zusammen leben können? Der Zoo reicht da nicht aus, Kindern die Liebe und Verantwortung näher zu bringen. Wobei die Haltung von Zootieren in vielen Fällen ebenfalls in Frage zu stellen ist!!! Die Liebe und den Bezug zu einem Tier kann ein Kind nur erfahren, wenn es mit ihm zusammenlebt, es pflegen, versorgen, streicheln, schmusen und beobachten kann.

Aber obliegt es nicht in erster Linie bei der Erziehung der Eltern, den Kindern dieses Verständnis für Tiere auf eine verantwortliche Weise zu vermitteln? 
Aber sind es nicht oft gerade die Eltern, die ihren Kindern kein ausreichendes Pflichtgefühl vermitteln, da sie selber sehr schnell bereit sind, das einst angeschaffte Tier wieder abzugeben?
Hier müssen die Eltern mehr Disziplin und Verantwortung den Kindern in bezug auf ein Lebewesen vorleben. Sind die Eltern bei Problemen direkt zur Abgabe eines Tieres bereit, wie soll da ein Kind das Pflichtbewusstsein gegenüber einem Lebewesen erlernen?
Das Thema Tierzucht ist und bleibt ein zweischneidiges Schwert: einerseits (ge)brauchen wir die Tiere für unsere Kinder, wissen aber auch gleichzeitig, dass diese aus unserem Egoismus heraus gewollte (genutzte) Tierhaltung sich negativ die Lebensqualität der Tiere auswirkt.

Verbessern könnte sich die Situation nur, wenn das Verantwortungsbewusstsein der Menschen gegenüber seinen Mitgeschöpfen ansteigen würde. Doch zeigt unserer heutige Umwelt leider nur, dass die Menschheit auf dem gegenteiligen Weg ist. 
Die Kinder lernen selten in ihrer Erziehung Verantwortung für eine Lebewesen zu übernehmen und sind daher teilweise auch im Erwachsenalter nicht fähig, eine verantwortungsvolle Beziehung einzugehen.

Spiegelt sich diese Entwicklung vielleicht auch darin wieder, das es immer mehr Scheidungen und "Singels" gibt? 
Verlernt der Mensch durch seinen ständig stärker werdenden Egoismus die Fähigkeit eine Beziehung dauerhaft einzugehen?
Das Zusammenleben mit einem Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, erfordert auf beiden Seiten ein Geben und Nehmen, sowie Toleranz und Verständnis für die Situation des Anderen.

Rücksicht und Geduld um auf die Belange des Partners/Tier einzugehen sind Eigenschaften, ohne die eine harmonische Beziehung auf Dauer nicht bestehen kann.